Ich suche Jesus… in der Stille

Ich atme ein, ich atme aus. Stille.

Ich atm…. MMMMMAAAAMMMMAAAAA!!

So geht es seit Wochen. Mir fehlen nicht nur die lauten, vollen Treffen mit Freunden, mir fehlt auch die Stille. Das Alleinesein. Nur für zehn Minuten einfach nichts zu hören. Kein Hörbuch, kein Kindergedudel, keine Streitereien, niemand, der immer noch Weihnachtslieder singt oder „Kaccckkkaaa!“ durch die Wohnung brüllt und dann rumkichert und Türen batscht.

Doch auch nachdem der Kindergarten wieder gestartet hat, sind da zwar ein paar ruhige Minuten – aber die sind leider doch nicht so still. Die Heizung brummt unverschämt laut, aus dem Schlafzimmer-Homeoffice wechseln sich dumpfe Stimmen der Zoom-Konferez meines Mannes mit dem Geklapper seiner Tastatur ab. Aber vor allem in mir drin wird es nicht ruhig. Fragen, die sich nicht beantworten lassen wollen, hämmern mir von innen an den Kopf, bis ich nichts mehr höre.

Eigentlich liebe ich die Stille. Ich brauche keine Musik zum Autofahren und kein Radio zum Kochen. Ich mag es, still zu werden und meine Gedanken zu sortieren oder zu hören, was Jesus mir sagen will. Ich habe das schon oft gemacht, vielleicht finde ich deshalb meistens schnell in die Stille. Vielleicht auch weil es meinem Typ entspricht.
Aber diese Woche nicht, die Unruhe in mir ist zu laut. Ich finde keine Antworten – Jesus schweigt. Und je länger er schweigt, desto unruhiger werde ich.

Dieses Schweigen – irgendwie ist das auch eine Art von Stille. Wenn sie auch ganz anders ist, als ich es erwartet habe. Und so lerne ich eine neue Art von Stille: das Warten.

Und auch wenn Jesus auf meine Fragen schweigt, so bleibt er doch nicht still.  „Schau da!“, ruft er immer wieder und überschwemmt mich mit Frühling und Krokussen, Schokoriegeln, Gartenzeit, die ich so vermisst habe, einem fremden Mann, der meinen Einkaufswagen  rettet, Kinderkichern, wenn sie „Popo“ rufen, Kaffee am Morgen, Sport bis die Muskeln brennen, Vogelgezwitscher und Schneeglöckchen.

Und auch wenn ich diese Woche Jesus in der Stille gesucht habe, gefunden hat er mich im Alltagslärm.

PS: Hier noch zwei kleine Empfehlungen, falls euch das Thema „Stille“ interessiert. In dem Buch „Einfach Gebet“ von Johannes Hartel gibt es eine ganz praktische Anleitung, um still zu werden. Das kleine Büchlein „Das Herz auf Gott einstimmen“ von Andreas Kusch enthält verschiedene Wahrnehmungsübungen, die helfen, kontemplativ zu beten.

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