Blut, Schweiß und Tränen

Ich scrolle mich durch ein paar Jahrhunderte Kunstgeschichte. Auf der Suche nach der Krippenszene begegnet mir ein blondgelocktes selig lächelndes Jesus-Baby, eine verzückte Maria und ein sich dezent im Hintergrund haltender Josef –  in allen Variationen, durch alle Jahrhunderte. Wahlweise noch mit Hirten oder drei Königen.

Hallo?! War hier noch nie jemand bei einer Geburt dabei?

Es soll sie ja geben, die Frauen, die das mal so nebenbei machen. Aber wo bitte sind in der Krippenszene das Blut und der Dreck, von der Geburt? Wo die Milch- und Kotzeflecken? Wo sind die entzündeten Brustwarzen? Die Fehlversuche beim Stillen? Wo ist die Nachgeburt und wo sind die Augenringe? Die schweißnassen Haare von Maria, die Angst von Josef. Wo die Tränen? Vor Glück, aber auch vor Einsamkeit und enttäuschter Erwartungen. Heultage. Und warum bitte sind die alle hellhäutig und Jesus immer blond?

Warum finde ich, wenn ich „moderne Krippe“ eingebe nur angeknabberte Erdnüsse und beschriftete Holzklötze?

Kann es sein, dass wir manchmal nicht so recht verstehen, was an Weihnachten eigentlich passiert ist? Wir tun so, als wäre Jesus nur so zum Schein Mensch geworden. Der perfekte Mensch, ohne Missgeschicke, ohne Körperflüssigkeiten oder Gefühle. Ja, Jesus war ohne Schuld. Ganz Gott. Aber das heißt doch nicht, dass er nie beim Essen gepupst hätte. Oder geweint. Oder gebrüllt. Und dass er sauber und selig lächelnd einfach raus geplumpst wäre.

Weihnachten heißt: Gott wird Mensch. Gott lässt sich füttern, tragen und den Hintern abwischen. Er wird geboren. Unter Tränen, Blut und Schweiß. Ganz und gar menschlich. Das hört sich demütigend an. Ist es auch.

Vielleicht gibt es deshalb so wenige Bilder davon, weil wir uns das schlecht vorstellen können. Oder weil es nicht in unser Bild des sauberen heiligen „Christkinds“ passt. Oder weil wir den Gedanken nicht aushalten, dass der heilige Gott so etwas tut.

Aber ist nicht genau das Weihnachten? Dass sich Gott die Hände schmutzig macht und klein wird. Und dass er uns ganz nahe kommt?

Vielleicht passt die echte Krippenszene nicht so gut unter den bunt geschmückten Weihnachtsbaum, die Feiertagsidylle oder in die Weihnachtspost. Aber in diese chaotische Zeit, diese zerbrochene Welt und mein verwundetes Herz, da passt sie ganz gut hin. Die Geschichte von einem Gott, der alles zurücklässt und kommt um uns zu retten.

2 Gedanken zu: Blut, Schweiß und Tränen

    1. Ja das stimmt, es gibt da einige witzige Sachen. Hab auch was mit Cola-Dosen gefunden.
      Ich war nur erstaunt, dass ich ewig gesucht und kein einziges Bild gefunden habe, das realistisch ist. Aber vielleicht liest ja hier jemand mit, der eins kennt 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.