Der König der meine Dornen-Krone trägt

Ich hatte dieses Jahr in die Fastenzeit Jesus eine Frage mitgebracht. Oder vielmehr eine Bitte. Ein paar meiner Alltagssorgen hatten sich ganz groß gemacht und waren wie wilde Brombeerranken einmal quer durch mein Leben gewuchert. Dabei hatten sie unter sich alles Gute, was blühen und wachsen wollte, begraben und mir die Luft zum Atmen genommen. Wie sehr habe ich mir gewünscht, dass Jesus kommt und mir hilft, die Alltagsdornen und Sorgendisteln herauszureißen. Aber das mit dem Dornengestrüpp ist so eine Sache. Wenn man sich daran macht, merkt man oft erst, wie tief es sich im Boden verwurzelt hat. Und bei all den verzweifelten Bemühungen holt man sich blutige Hände und kommt nur langsam voran. Zu allem Überfluss wachsen die Dornen ja immer weiter, solange man nicht jede einzelne Wurzel erwischt.

So saß ich also da, in der Fastenzeit, zwischen Dornen und dem Gefühl nicht vorranzukommen, als mir das erste Mal bewusst aufgefallen ist, dass Jesus an Karfreitag eine Dornenkrone trägt.

Eigentlich ziemlich seltsam. Vielleicht nur eines der vielen Dinge, die die Soldaten taten um Jesus zu foltern. Ein kleines Detail des gedemütigten Königs. Wir Menschen können in unserer Grausamkeit ganz schön kreativ werden. Aber vielleicht ist es auch Gottes Fingerzeig, der eine humorvolle Vorliebe für kleine Querverweise durch die gesamte Bibel hat.

Dornen finden wir gleich am Anfang der Bibel. Nach dem Sündenfall, als das Leben seine Unschuld verloren hat. Als Arbeit nicht mehr nur kreatives Erschaffen war, sondern mit Sorgen und Fehlschlägen, Misserfolgen und Zweifeln überwuchert wurde.

Und es sind die Alltagssorgen, die kleinen unbedeutenden Dinge, vor denen Jesus in einem seiner Gleichnisse warnt. Das Dringende, das das Bedeutende so oft überwuchert und uns manchmal keine Luft mehr lässt für die leisen, zarten, bedeutenden Dinge die eigentlich in unserem Leben wachsen wollen. Mitgefühl. Gebet. Güte. Dankbarkeit.

Und während ich mich frage, wie ich mit diesen Sorgen fertig werde, wie ich sie aus meinem Herzen reiße, da sehe ich vor mir Jesus. Der König, der einen Dornenkrone trägt. Und in diesem Jahr kann ich den Dornen ihre Namen geben. Schlaflose Nächte voller Sorgen vor Fehlschlägen. Angst vor der beruflichen Zukunft. Und ich sehe Jesu blutige Hände. Von den Dornen, die er für mich ausgerissen hat und immer wieder aus meinem Herzen holen will.

Denn er ist der König, der meine Sorgen-Dornen(krone) trägt.

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