Was ich einmal werden will…

Eigentlich sollte ich zufrieden sein, denn letzte Woche habe ich wirklich viel geschafft . Doch statt stolz und glücklich zu sein, bin ich getrieben und unruhig. Zu viel, was nicht fertig geworden ist. Zu viel, was drängelt. Und ich, die vergesse, zwischendurch durchzuatmen und einfach immer weiter hetzt.

Kurz unterbreche ich meine kleine Instagram-Pause und sehe in einer Story eine Frage aufploppen. Den genauen Wortlaut habe ich vergessen, doch sinngemäß steht dort: „Slow Living – was braucht es dafür?“ Spontan, ohne groß nachzudenken, tippe ich eine Antwort ein: Verzicht.

Ein paar Stunden später laufe ich mit meiner Tochter zum Einkaufen. Dabei kommen wir an einem kleinen Hebekran vorbei und an ein paar Landschaftsgärtnern, die die Bäume stutzen und radikal Ast für Ast von den Bäumen schneiden. Der gesamte Gehweg ist von Ästen blockiert, und wir bleiben fasziniert ein paar Minuten stehen.

Auf dem Rückweg sind die Männer immer noch beschäftigt, und mich trifft fast der Schlag. Von den riesigen Bäumen stehen nur noch ein paar klägliche Reststücke. Obwohl ich weiß, dass so ein Rückschnitt nötig ist, damit der Baum gesund bleibt, bin ich doch ziemlich schockiert, wie viel dort abgeschnitten wurde. Ich dachte immer, beim Rückschnitt werden einzelne Äste abgeschnitten. Jetzt sehe ich, dass nur einzelne Äste stehen geblieben sind.

Und ich muss an die Frage am Vormittag zurückdenken. Letztes Jahr stand auf meiner Wunschliste folgender Satz: Ich möchte jemand werden, der Zeit hat. Momentan bin ich davon meilenweit entfernt. Ich hetze durch die Woche, nehme mir zu viel vor und sage zu viel zu. Habe tausend Ideen, die ich gerne umsetzen und starten würde. Alles schöne und gute Dinge. Doch wenn ich ehrlich bin: Es geht mir nicht gut damit. Ich verzettle mich und bin regelmäßig überfordert.

Wie werde ich jemand, der Zeit hat? Wenn ich ehrlich bin, dann kenne ich die Antwort und sie gefällt mir nicht besonders. Wie die Landschaftsgärtner muss ich die Säge in die Hand nehmen und ganz viel abschneiden – zumindest für den Moment. Und vielleicht ist der Hauptgedanke auch nicht: Was muss gehen? Sondern: Was soll unbedingt bleiben? Was sind die drei, vier Äste die jetzt gerade Priorität haben?

Bald startet die Fastenzeit und ich glaube, das ist ein Gedanke, der mich diese Zeit lehren kann. Dass es nicht immer mehr braucht, sondern auch Zeiten des Rückschnitts und Verzichts, um langfristig wachsen zu können und gesund zu bleiben.

Noch stehe ich ein wenig ratlos vor meinem Baum.
Was hat (gerade) Priorität? Ich weiß es nicht …
Was ich weiß, ist, wohin ich will. Ich will jemand werden der Zeit hat.
Und dafür muss man manchmal vielleicht auch Gutes sein lassen.

Ein Gedanke zu: Was ich einmal werden will…

  1. Ein sehr interessanter Beitrag. Ich denke drüber nach, was meine Prioritäten sein können, gar nicht so einfach.
    Habe eben dieses Zitat gelesen und musste an den Blog hier denken:

    Am reichsten sind die Menschen, die auf das meiste verzichten können.
    Rabindranath Tagore

    Aber auch da brauche ich noch etwas Zeit, um darüber nachzudenken 🙂

    Viele liebe Grüße Luisa

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