Reformationsgedanken I

Zugegeben ich war nie ein großer Reformations-Fan. Lange hat sich das ein wenig wie der Trostpreis angefühlt, für alle die nicht auf die coolen Halloweenpartys durften und stattdessen zum „Lutherfest“ mussten. Das Kapitel über das Reformationsfest in meinem Buch gibt es auch nur, weil die Buchhändler es sich ganz dringend gewünscht hatten und ich es nachliefern sollte durfte.

Letzten Dienstag war es dann wieder mal so weit. Zwischen Halloween-Diskussionen und Herbstferien war auf einmal Reformationstag. Fast hätte ich ihn verpasst, doch weil ich auf Instagram regelmäßig Sachen über die Feiertage teile, habe ich mich selbst dazu verdonnert auch etwas über den Reformationstag zu schreiben. Dabei ist etwas Eigenartiges passiert. Je mehr ich über diesen Tag nachgedacht habe, desto lieber wurde er mir. Und deshalb will ich die nächsten Tage ein paar Reformationsgedanken teilen.

Ein kurzer Abriss zur Geschichte:

Martin Luther wurde 1483 in Eisleben geboren. Zunächst studierte Luther Jura, bis es zu einem einschneidenden Erlebnis für ihn kam. Auf dem Rückweg von einem Besuch bei seiner Familie wurde er von einem schweren Gewitter überrascht. In Todesangst versetzt, schrie er: „Heilige Anna, hilf mir! Ich will ein Mönch werden!“

Irgendwie erinnert mich das an meine kleinen „Deals“ die ich so oft mit Gott hatte. „Jesus, wenn du machst, dass mir nichts passiert, dann will ich ab jetzt jeden Morgen Bibel lesen.“

Luther wurde nach diesem Erlebnis tatsächlich Mönch und hielt sich sehr streng an die klösterlichen Regeln. Die Frage die ihn umtrieb war: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Er quälte sich mit selbstauferlegten Kasteiungen, tagelangem Fasten und pilgerte schließlich nach Rom. Eine Antwort auf seine Frage fand er nicht.

Zurück in Wittenberg kam es schließlich zum sogenannten „Turmerlebnis“. Während seiner Studien des Römerbriefs erkannte Luther: Der Gerechte wird aus Glauben leben (Römerbrief 1,17). Nicht aus eigenen Leistungen, sondern allein aus Gnade können wir vor Gott bestehen. Das wurde zum Wendepunkt in Luthers Leben.

Reformationsgedanken

Am Reformationsfest, da will ich die Gnade feiern. Wie Luther damals, will ich entdecken, dass ich Gott nicht erst gnädig stimmen muss. Nicht mit dem was ich tue oder nicht tue, meinen Werken oder meinem „Richtigsein“. Weil er doch schon längst voller Gnade für uns ist.

Mein Leben lang habe ich von dieser Gnade gehört und sie bis heute noch nicht wirklich begriffen. Aber sie ist es an die ich mich klammern will. Die ich mehr als alles andere entdecken und hineinwachsen will. Weil sie das eine ist, das alles andere verändert. Und ich mir wünsche, dass sie auch mich verändert. Sie ist mein „genug“.

Ein Gedanke zu: Reformationsgedanken I

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