New Year, New Me
Das neue Jahr ist angebrochen, und mit ihm die leise Hoffnung, dass im neuen Jahr alles besser wird. Gesünder essen (nie wieder Zucker?), weniger Social Media (oder ganz löschen?), endlich das (völlig utopische und haltlos überzogene) Sportprogramm durchziehen. Und weil ich eh schon an ständigem Selbstoptimierungswahn leide, füllt die Liste mit all den guten Vorsätzen, die ich in diesem Jahr angehen könnte, über eine Seite in meinem kleinen Notizbuch. Eigentlich kein Wunder, dass ich mich ständig gehetzt fühle und unglaublich müde bin.
Siehe, ich mache alles neu.
In der diesjährigen Jahreslosung spricht Gott davon, dass er alles neu machen wird. Gemeint ist damit nicht, dass er alles Alte völlig vernichten oder verwerfen möchte und noch einmal ganz von Neuem anfängt. Auch nicht, dass er dabei ist, alles zu optimieren und zu verbessern, solange, bis es endlich gut genug ist. Sondern dass er heilt, wiederherstellt, verwandelt und etwas Neues schafft. Etwas, das gleichzeitig vertraut und doch völlig anders ist.
Mit dem Lesen der Jahreslosung kommt mir auch immer wieder Jesaja 43,19 in den Sinn:
„Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf – erkennt ihr’s denn nicht?“
Gott macht alles neu. Ganz am Ende, aber auch schon jetzt. Sein Reich, das mitten unter uns angebrochen ist und das wir gleichzeitig noch sehnsüchtig erwarten. Dann, wenn alles heil und gut sein wird. An manchen dunklen und schweren Tagen warte ich sehnsüchtig auf das Neue, das kommt. Und gleichzeitig will ich Augen haben für das, was jetzt schon wächst. Denn nein – oft erkenne ich es nicht.

Mitten in den Winterferien gab es für uns ein kleines Highlight: der erste Schnee! Und zwischen Schneeballschlachten und dem Versuch, Schlitten zu fahren (wir hatten nur eine winzig kleine Puderzucker-Schneeschicht), habe ich eine besondere Entdeckung gemacht: kleine Vogelspuren, die ich inmitten der ganzen Schuhabdrücke fast übersehen hätten. Mit meiner kleinen Tochter habe ich begeistert die Fußspuren über den halben Spielplatz verfolgt. Ganz genau mussten wir hinschauen und ihnen nachgehen, um die Spur nicht zu verlieren.
Vielleicht ist es mit dem Neuen, das Gott schaffen will, ganz ähnlich. Dass es mehr den zarten Spuren im Neuschnee ähnelt als meiner Liste von guten Vorsätzen. Dass wir uns gar nicht so sehr abstrampeln und noch ein kleines bisschen mehr bemühen müssen, sondern voller Vorfreude und Entdeckerlust den zarten Spuren auf unserem Weg folgen und die Augen weit öffnen, um sie nicht zu übersehen. Dass da etwas Neues ist, das wächst. Schön und kraftvoll aber auf den ersten Blick verborgen und nur für die zu sehen, die bereit sind still zu stehen und die Augen und ihr Herz ganz weit aufzumachen. Und wie schön war dieser Moment mit meiner Tochter, wo wir miteinander unterwegs waren und einander die Spuren gezeigt haben und einander mit unserer Begeisterung angesteckt haben. Immer wieder gab es die kleinen Momente, in denen wir überzeugt waren, dass das jetzt das Ende der Spur wäre und dann eine von uns begeistert gerufen hat: „Doch schau, hier geht es weiter!“

Und vielleicht ist es der einzig wichtige Vorsatz, den ich dieses Jahr brauche: Dass ich versuche, mich weniger selbst zu optimieren, zu kritisieren und zu reparieren, sondern mich dem hinhalte, der Neues schafft – auch in mir.
Und wie sehr wünsche ich mir statt Beinen die sich abstrampeln Augen, die die kleinen, fast unscheinbaren Spuren sehen. Das Neue das aufbricht und bereits wächst, die kleinen Momente, in denen man schon ein wenig von dem erahnen kann, was einmal sein wird und ein Herz, das diesen Spuren voller Freude und Neugierde nachgeht und nicht lockerlässt.
An dieser Stelle wünsche ich euch allen noch ein frohes neues Jahr! Einer meiner diesjährigen Vorsätze war auch, hier wieder regelmäßiger zu schreiben. Aber stattdessen will ich das mit den vielen Vorsätzen vorerst einmal sein lassen. Nichtsdestotrotz hoffe ich, wieder öfter hier zu sein, vielleicht auch um gemeinsam den kleinen zarten Alltagsspuren zu folgen. Vielen Dank für eure Kommentare, euer Mitlesen und Durchstöbern während der langen Sendepausen. Wie sehr habe ich diese kleine Ecke vermisst.






Guten Morgen Anne,
schön, das es heute wieder einen neuen Blogeintrag gab. Danke für das „Bild“ mit den Spuren. Schreibe ruhig öfters. Es muss nicht alles immer perfekt und ausgefeilt sein:-)
Guten Morgen, liebe Anne! Ich sitze gerade am Schreibtisch bei einer Vorbereitung für „Toni u. seinem Männerkreis“. Ich soll über die Offenbarung etwas sagen.. Deine Mail mit dem Hinweis auf Jes43:19..
war für mich ein Impuls u. eine Ermutigung.. Dir ein herzliches Dankeschön für deine Zeilen. Vor allen Dingen dir u. der Family noch einen super u, inspirierenden Tag. Trotz Glatteis! LG Harald
Hallo liebe Anne,
Ich liebe diesen Vers aus Jesaja. Gott hat schon so oft dadurch zu mir gesprochen und heute hast du mir nochmal neue Gedanken dazu gegeben, danke!
lg Hannah